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Ahe Island - Zusammenstoß mit sanften Giganten
Autor: Kirsten Clahr - September 2011
Die Cenderawasih Bucht liegt im Norden der indonesischen Provinz West Papua. Der Name bedeutet Bucht der Paradiesvögel und wirklich paradiesisch ist auch das Gebiet, in dem sich die kleine Insel Ahe befindet. Und da die Paradiesvogelbucht noch eine wirklich gigantische Sensation zu bieten hat, mache ich mich auf den langen Weg von Frankfurt über Jakarta, Ambon und Kaimana bis nach Nabire.
Die Insel Ahe gehört zur Gruppe der Harlem Islands, hat zwei naturbelassene traumhafte Sandstrände, ursprünglichen Dschungelbewuchs, einige Kokospalmen und ist umbgeben von den türkisfarbenen Gewässern des Pazifiks. Besucher von Ahe teilen sich die Insel mit Maleo Vögeln, Papua Schmucktauben, Fregattvögeln, Adlern, Flughunden, Beutelsaugern und den putzigen Beuteltieren, den Kuskus, die man zur Dämmerung in den Baumwipfeln erspähen kann.
Die Bucht hat aber noch eine andere großartige Attraktion zu bieten: nahezu zahme Walhaie, die tatsächlich keinerlei Berührungsängste haben. Sie sind der Hauptgrund, warum sich wenige abenteuerlustige Taucher in diese abgelegene Wildnis wagen. Auch auf meiner Wunschliste steht selbstverständlich eine Begegnung mit dem größten Fisch der Welt.
Doch nach 2 Tagen Anreise lasse ich es erst einmal langsam angehen. Zunächst erkunde ich das Ahe Hausriff und einige der Tauchplätze in unmittelbarer Nähe. Es gibt einige sehr schöne Riffe, sogar Steilwände mit Überhängen und erstaunlich buntem Korallenbewuchs. Lila und gelbe Elefantenohrschwämme, große Fassschwämme, Weichkorallen und rote Peitschenkorallen fallen mir auf. Ich entdecke Pygmäenseepferdchen, Teufelsfische, verschiedene Grundeln, Nacktschnecken, Unmengen an unterschiedlichen Clownfischen, Spindelkauris und Krabben. Großfische und Fischschwärme kommen eher nicht vor. Doch ab und an begegnen mir Seeschlangen, Schildkröten oder auch ein Wobbegong.
Dann kommt der Tag, an dem wir zu den berühmten Walhaien fahren wollen. Die Fahrt mit dem Fiberglas-Schnellboot dauert ca. 2 Stunden, daher brechen wir früh auf. Um 05.30h sitzen wir auf dem Boot und los geht es. Die Crew hat heißen Tee und Kaffee dabei und zum Frühstück gibt es die üblichen Toastscheiben mit Marmelade oder Erdnussbutter sowie Eier. Nach 2 Stunden Fahrt erreichen wir einige kleine Inseln und sehen, dass sich im Meer verschiedene Fischplattformen befinden. Die Fischer fangen hier über Nacht kleine Fische. Die Netze mit dem Fang hängen unter den Plattformen und diese wiederum locken die Walhaie an. Wir fragen die Fischer, ob sie heute schon Walhaie gesichtet haben. Die Frage erübrigt sich sofort: schon vom Boot aus sehen wir zwei der Giganten durchs Wasser gleiten.
Die Fischer helfen nach und schütten zusätzliche Fischreste und kleine Fische ins Meer. Nun sind die Walhaie nicht mehr zu stoppen. Wir Taucher genauso wenig. Vorsichtig begebe ich mich ins Wasser. Bloß nicht auf einen Walhai springen! Es ist der Wahnsinn!!! Drei Walhaie sind da, schwimmen auf uns zu und dann wieder an die Fischnetze, um Leckerbissen zu ergattern. Sie haben wirklich keine Berührungsängste. Ich warte einfach ab und schon schwimmt ein 8 Meter Bursche geradewegs auf mich zu. Wer weicht zuerst aus? Ich ziehe den Kürzeren, denn der beeindruckende Fisch ist doch ein paar Nummern größer als ich. Das Verhalten dieser Walhaie ist einzigartig. Wo sonst auf der Welt kann man 1 Stunde oder länger mit diesen großartigen Tieren auf Tuchfühlung gehen? Ich kann dieses überwältigende Erlebnis kaum fassen.
Wer nach Ahe reist, darf nicht davon ausgehen, eine normale Tauchreise zu unternehmen. Man unterstützt hier ein Entwicklungsprojekt. Der Profit des kleinen Tauchresorts fließt ausschließlich in die Gemeinden der Umgebung. Die Mitarbeiter, die das Resort betreiben, sind alle Papuas, die bis vor kurzem noch vom Fischfang gelebt haben und bisher keinerlei Vorstellung vom Tourismus hatten. Wer hierher kommt, darf daher keine Erwartungen an einen Service und Unterbringung nach europäischem Standard haben. Die Bungalows sind einfach und rustikal, Zeit ein sehr dehnbarer Begriff und die Tauchbasis eher ein Dschungelcamp.
Auf Ahe kann man noch eine herrliche Natur erleben und Menschen begegnen, deren Lebensfreude und Enthusiasmus ansteckend und bezaubernd ist, wenn man bereit ist, offen auf die Papuas mit ihrer unterschiedlichen Lebensart und Mentalität einzugehen und sie zu verstehen versucht. Auch einige Worte Indonesisch können hilfreich sein, denn die Mitarbeiter sprechen kein Englisch.
Es gibt zwar einen Tauchguide aus Manado als auch den holländischen Manager Arne, an die man sich in englischer Sprache wenden kann. Doch ein paar Worte Indonesisch erleichtern die Kommunikation mit den Leuten von Ahe doch erheblich. Und obwohl das Tauchgebiet nicht sehr anspruchsvoll ist, sollte man doch einige Taucherfahrung mitbringen. Denn die Papuas begleiten zwar die Tauchgänge, eigenständiges Tauchen wird jedoch von den Gästen erwartet.
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