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Finding Rhinopias - die Suche nach dem Algenschluckspecht
Autor: Kirsten Clahr - Juli 2010
Loloata bedeutet in der einheimischen Motu Sprache „one hill“ – ein Hügel. Und das hat selbstverständlich seinen Grund, die kleine Insel nahe der Hauptstadt Papua Neuguineas besteht tatsächlich aus nur einem Hügel. Das Loloata Island Resort hat sich in Taucherkreisen in den letzten Jahren einen Namen gemacht: die Gegend ist berühmt für das Vorkommen der sonst seltenen Rhinopias Skorpionsfische, mit deutschen Trivialnamen Algenschluckspecht genannt. Und genau deshalb bin ich hier: ich habe 4 Tage Zeit, um den seltenen Fisch vor meine Kameralinse zu bekommen.
Wer sich Loloata als ein idyllisches, traumhaftes Südseeparadies vorstellt, ist hier fehl am Platz. Weiße Strände und wiegende Kokospalmen sucht man vergebens. Das Resort ist einfach, funktionell und ein hervorragender Ausgangspunkt für die Tauchplätze der Bootless Bay. Man hat einige Wallabies (kleine Kängeruhs) und Papua Schmucktauben angesiedelt, denen man permanent auf den Wegen begegnet. Ursprünglich wurde Loloata als Kongress- und Tagungszentrum errichtet, da es nur 20 Minuten von Port Moresby und dem Flughafen entfernt liegt. Inzwischen ist es auch ein beliebtes Wochenendausflugsziel und so trifft man hier oftmals Ausländer, die in Port Moresby oder im Hochland arbeiten oder Einheimische, die ein paar Tage Urlaub machen. Für aufgeschlossene Besucher ergeben sich so interessante Gespräche und Einblicke ins Leben Papuas.
Gleich am ersten Tag gebe ich in der Tauchbasis meinen Wunsch bekannt. Doch Franco, langjähriger Basisleiter, gibt zu bedenken, dass er nun seit 2 Monaten keinen Rhinopias mehr gesehen hat. Aber er versichert mir, jetzt ganz besonders gründlich zu suchen. Bewaffnet mit Makroobjektiv starten wir das Tauchprogramm. Ich bin völlig überrascht: die Tauchplätze sind großartig. Das hatte ich in Hauptstadtnähe nicht erwartet. Gleich beim ersten Tauchgang sind wir von Fischschwärmen umzingelt, sogar ein großer grauer Riffhai bemustert uns neugierig und ein Manta schwebt elegant über unseren Köpfen hinweg.
Die Riffe sind üppig bewachsen und voller Leben. Auch im Makrobereich werde ich mit Garnelen, Porzellankrabben, Nacktschnecken, Schaukelfischen, Steinfischen und Anglerfischen belohnt. Immer wieder begegnen mir Weißspitzenriffhaie und jede Menge Seeschlangen. Der erste Tag vergeht mit großartigen Tauchgängen, doch ohne den Rhinopias aufgespürt zu haben. So suchen wir weiter: vormittags 2 Tauchgänge an den Außenriffen und nachmittags Muck Diving innerhalb der Bucht. Wir finden einen Flügelrossfisch, Sepias, Clownfische, die ihre Eier bewachen, Quallen mit Krebsen, Seenadeln, Minikauris auf Weichkorallen.
Tag 3 bricht an auf der Suche nach meinen favorisierten Fisch. Wir betauchen Dinah´s Delight. Die Unterwasserlandschaft ist atemberaubend. Mehrere Korallenberge, die nah beieinander stehen, bilden schmale Schluchten, die über und über mit riesigen Gorgonien bewachsen sind. Alles hier scheint größer zu sein, auch die Schwämme und grünen Korallen. Auf dem Riffdach tummeln sich Fischschwärme – wirklich eindrucksvoll.
Dann geht es an den nächsten Spot: Pumpkin Patch. Während ich mich mit einem Krokodilfisch beschäftige, sehe ich, dass Franco ein Stück weiter geduldig auf mich wartet. Ich schwimme zu ihm herüber und traue meinen Augen kaum: da sitzt tatsächlich ein Rhinopias aphanes! Ein kurzer Blick auf Computer und Finimeter (schließlich tauchen wir bereits seit 45 Minuten!): mir bleiben noch 4 Minuten Nullzeit, doch 120 bar! Also, kein Problem: ein paar Minuten Deko ist mir der Rhinopias wohl wert.
Am letzten Tag darf ich auf eigenen Wunsch diese beiden Tauchgänge wiederholen. Und zum Abschied schwebt dann wieder ein Manta an mir vorbei!
Mein Besuch in Papua Neuguinea klingt am letzten Abend mit einem Sing Sing aus. Loloata hat eine Gruppe aus einem Dorf auf dem Festland eingeladen. Der Gesang, die Tänze und vor allem das bezaubernde Lächeln der Kinder begleiten mich auf meiner langen Heimreise aus dem Land der Paradiesvögel.
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