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Saudi Arabien Farasan Banks
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Tauchsafari Dream Voyager

Autor: Rudolf Stettmer, 08.10.2004 - 15.10.2004

Anreise

Saudi Arabien Reisebericht
"Wie muss es eigentlich auf der anderen Seite des Roten Meeres aussehen - unter Wasser?" - wer hatte diesen Gedanken noch nicht, wenn man mal wieder einen Tauchspot in Ägypten mit zig anderen teilen musste und das Riff vor lauter Luftblasen nicht mehr sehen konnte?

Tausende von Kilometern unberührte Küste, Riffe und Inseln und bisher kaum eine Möglichkeit dort uns liebstes Hobby auszuüben.
Eigentlich wollte ich wieder mal nach Ägypten, als ich im neuen Extra-Tour Katalog nun doch Saudi Arabien entdeckte. Kurz entschlossen gebucht, saß ich schon wenige Wochen später in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens.

Obwohl ich bis dahin keinen aus unserer Reisegruppe kannte, wusste man unter der Menge der Wartenden sofort, wer bei unserer Tour dabei sein wird - wir trugen Baseballcaps, alle anderen Abbaya oder Arafat-Tücher - die andere Welt begann noch in Deutschland.

Nach einem kurzen Zwischenstop in Genf und nachdem sich alle Frauen an Bord verhüllten, landeten wir am Abend in Jeddah, einer mir bisher völlig unbekannten Millionenstadt. Wir wurden mehrfach und überaus gründlich nach Alkohol und einschlägigen Zeitschriften gefilzt, bevor wir von den Vertretern der Dream Divers empfangen wurden.

Nach ca. 3,5 Stunden Fahrt mit dem basiseigenem Bus (es war mittlerweile weit nach Mitternacht und hatte immer noch 28 Grad) kamen wir nach Al Lith, dem Anlegeplatz der "Dream Voyager".

An Bord

Saudi Arabien Reisebericht
Da es sich hierbei um einen Militärhafen handelt, wurden wir nochmals von einem Soldaten ganz eingehend gecheckt, was zu so fortgeschrittener Stunde schon ziemlich nervte. Später teilte uns Eric mit, dass der Soldat nur etwas sauer auf die Basis war und uns deswegen nochmals checkte, da er selber gerne taucht und Eric ihn nur für drei Tage auf dem Boot mitnahm.

An Bord wurden wir auf das freundlichste vom blondschöpfigen Eric Mason und seiner 8-köpfigen Crew empfangen, ein spätes Abendessen stand für uns schon bereit.
Angetan von dem toll ausgestatteten, erst 18-Monate alten Boot und unserem Durst, endlich unsere "Rüssel" unter Wasser zu stecken, bauten wir noch mitten in der Nacht (es war bereits gegen 2.00 Uhr morgens) unsere Ausrüstung zusammen - Damit wir morgen nichts verpassen!

Es sind zum größten Teil Vierbettkabinen, die allerdings nur zu zweit belegt werden, so dass genügend Ablageplatz vorhanden war. Toiletten und Waschgelegenheiten befinden sich in drei extra Räumen. Das Schiff hat schöne Holzböden, einen großzügig klimatisierten Aufenthaltsraum, die Taucherplattform und ein Sonnendeck. Der Wirlpool am Bug wurde für Frischwassertanks missbraucht, so dass wir diesen nicht nutzen konnten, das Meer war allerdings zum baden eh viel schöner.

09.10.2004

Saudi Arabien Reisebericht
Als die "Dream Voyager" gegen 7.00 Uhr den Hafen verließ war ich trotz der kurzen Nacht bereits hellwach und hatte nur noch eins im Sinn.

Es war bereits sehr warm und keine Wolke am Himmel, der Wind war sehr angenehm. Nach einem kleinen Frühstück, bei dem wir bereits die ersten Delfine und später auch Pilotwale neben dem Boot sahen erreichten wir bald unseren ersten Tauchplatz.

Eric begann mit dem Briefing: "Wir tauchen heute in Saudi Arabien, Farasan Banks. Wir sind heute das einzige Tauchboot in Saudi Arabien. Es tauchen heute in ganz Saudi Arabien 11 Taucher (wir!) und an diesem Tauchplatz, seit ihr die Taucher 11 bis 21 - es tauchten hier erst 10 andere!" - WAHNSINN!!!!!
Taucherherz, was willst du mehr?

Es war ein absolut unberührtes Riff mitten im offenen Meer, riesige Weich- und Hartkorallengärten in solchem Überfluss und so vollkommen, wie ich sie vorher noch nie gesehen habe. Leider kein Großfisch, aber all die vielen kleinen Riffbewohner in den zahlreichen Grotten und Überhängen. Keine Strömung und das Wasser mit über 32 Grad (!) schon fast zu warm.
Der nächste Tauchgang (Danak Island) war übersäht mit Rotfeuerfischen, Büffelkopfpapageienfische und allen Arten von Doktorfischen.

Die Tauchplätze waren fast alles Drop off´s, die meist erst in einigen hundert Metern Tiefe - für uns nicht mehr ersichtlich - endeten. Wir hatten nie nennenswerte Strömung und die Sprungschicht war meist erst auf ca. 35 Metern Tiefe.

Das Tauchen war vollkommen eigenverantwortlich, es gab keine Limits, was die Maximaltiefe und Dekotauchgänge betraf. Nur als Zeitlimit waren 60 Minuten vorgegeben, deren kurzfristige Überschreitung aber keinerlei Problem war.
Nicht mal die Anzahl der Tauchgänge war beschränkt, man konnte so oft man wollte! Ich war jeden Tag vier mal im Wasser (inkl. tägl. Nachttauchgang) eine Hardcoregruppe fünf mal!
Saudi Arabien Reisebericht
Eric und sein Team erfüllten jederzeit jeden Wunsch und brachten uns z.B. mit dem Zodiak an jede beliebige Stelle der Riffe und kleinen Inseln und holten uns dort ab, wo wir auftauchten.
Da wir an keinem Tag (!) die Plätze mit anderen Booten teilen mussten war dies auch kein Problem - alle auftauchenden Taucher gehörten zu uns.

Die einzigen beiden Boote die wir während der Woche auf See zu Gesicht bekamen waren ein sudanesisches Fischerboot (der ist tatsächlich mit einem ca. 5 Meter langen Boot ohne Aufbau mehrere Tag auf hoher See unterwegs - ganz alleine) und ein saudisches Militärboot.

Gewissenhaft wurde jeder Taucher nach dem Briefing mit seiner "Tauchbeginnzeit" und dann mit der "Tauchendzeit" notiert, so dass jederzeit festgestellt werden konnte, wer wie lange, wann und ob noch im Wasser ist!
Wenn man Eric fragte, ob man dies oder das eventuell machen könne, egal ob Zodiakfahrt auf die andere Riffseite, Besuch auf der vorgelagerten, unbewohnten Insel oder Barakudafischen für´s Abendessen, meinte er immer voller Elan nur "na klar, wann willst du es tun?"

Die weiteren Tauchgänge dieses Tages waren übersäht mit phantastischen Felsformationen, Drop Off´s und gigantischen Korallengärten.

Die Sonnenuntergänge waren jeden Tag so spektakulär, dass ich viel zu viel Photos davon gemacht habe, aber diese tiefe, durch den Wüstensand geprägte rot und die im Meer versinkende Sonne war zu beeindruckend, als dass man davon lassen konnte.

Die Stimmung bei den Nachttauchgängen insbesondere an den Drop 0ff´s war so mystisch, beeindruckend und auch unheimlich, dass man sich wie im Film "The Abyss" fühlte. Das Schweben durch die Dunkelheit, unter einem der Abgrund und nur ersichtlich, was der Schein der Lampe erfasst - ich träume noch heute davon. Hierbei waren riesige Tritonhörner, unterschiedlichste Schneckenarten, Muränen, spanische Tänzerinnen und alle anderen nachtaktiven Unterwasserbewohner im Überfluss zu sehen.

Nach dem Abendessen wurden dann regelmäßig die Leistungen der Digitalphotografen am Fernseher begutachtet und bewertet. Eine Wasserpfeife und reichlich Softdrinks rundeten das Abendprogramm ab.

Übrigens, Eigentümer des Tauchschiffes ist Scheich Abdula bin Saudi al Saud bin Abdu al Assis, ein richtiger saudischer Prinz, der in Jeddah noch Tagesboote Restaurants und zahlreiche andere "Businesses" betreibt.
Saudi Arabien Reisebericht
Wie wichtig an Bord eines Schiffes der Feueralarm ist bemerkten wir am nächsten Morgen: Ich stand gerade unter der Dusche, als der Alarm losging, den meine Unterwasserlampe auslöste, als diese wohl durch einen Defekt am Akku während des Ladevorgangs zu schmoren und fürchterlich zu rauchen begann.
Sofort war Eric zur Stelle um den "Brandherd" zu löschen!
Auf eine Tauchlampe musste ich trotzdem nicht verzichten, Eric borgte mir (kostenlos) während der restlichen Tauchgänge eine Ersatzlampe.

Während des ersten Tauchgangs (Jabbarah Reef), der uns auf über 40 Meter Tiefe führte erblickten wir einen großen Seidenhai, der am Riff patrullierte. Weißspitzenriffhaie Schildkröten und Stachelrochen begleiteten uns immer wieder während des Tauchgangs, der übersäht war mit riesengroßen, makellosen Gorgonien und einer fantastischen Landschaft.

Über Wasser erwartete uns schon ganz aufgeregt Eric, der auf der anderen Seite der vorgelagerten Insel etwas brodelndes im Wasser entdeckte: Ein riesiger Delfinschwarm!

Er verfrachtete uns, ausgerüstet mit ABC-Ausrüstung, ins Zodiak und setzte uns bei den Delfinen ab. Es war phantastisch: ein riesiger Delfinschwarm (wir schätzten ca. 100 Tiere) mit vielen Jungtieren und wir mitten darin! Sie schwammen weg, sie kamen wieder, man hörte ihre Laute unter Wasser, konnte sie spielen sehen - ich habe so was noch nie erlebt!
Noch während der Rückfahrt zum Schiff verfolgten sie uns und sprangen vor dem Zodiak umher.

Die weitern Tauchgänge waren geprägt von Riffhaien, Barakudas, Muränen und tollen Landschaften.
Saudi Arabien Reisebericht
Auch eine Besichtigung der kleinen, vorgelagerten Insel lies ich mir nicht entgehen. Überall konnten wir turtel-tracks sehen und die von ihnen für die Eiablage gegrabenen Löcher. Etwas makaber war das auf der Insel befindliche, menschliche Skelett! Wahrscheinlich ein Fischer, der hier gestrandet ist.

Währenddessen hatte die Crew zwei große Barsche für unser Abendessen mit der Harpune gefangen, die wir uns zum Abendessen schmecken ließen - frischer geht es wohl nicht mehr.
Die Küche war überhaupt sehr reichlich, abwechselnd und vor allem ausgezeichnet! Unser philipinische Koch verwöhnte uns mit Chicken, Fisch und Beef in unterschiedlichsten Variationen, bis hin zu frischem Tunfischsushi!

Obwohl ich einen sehr empfindlichen Magen habe und bei kaum einem südländischen Urlaub von Montezumas Rache verschont werde, hatte ich hier keinerlei Probleme.
Es gab ein kleines Frühstück vor dem Morgentauchgang, ein üppiges danach, Mittagessen, Abendessen und es standen immer Obst und Kekse für einen Snack bereit. Wasser, Tee, Kaffe (Nespressomaschine!) und alle Softdrinks waren frei, ebenso die allabendliche Shisha (Wasserpfeife).

10.10.2004

tauchen, tauchen, tauchen: Weiß- und Schwarzspitzenhaie, Seidenhai und Fuchshai, Blaupunktrochen, Stachelrochen, Federschwanzrochen, Schildkröten, Schwärme von riesigen Büffelkopfpapageienfischen (200 Stück mit bis zu 1,5 Metern) Drachenköpfe, Rotfeuerfische, Kofferfische, Muränen, Barakudas, arabischer Kaiserfisch, spanische Tänzerin, Sepien, und jedes Mal diese beeindruckende, unberührte Unterwasserlandschaft ohne andere Tauchboote!

Einmal sollen andere sogar einen kleineren Manta gesehen haben.
Wohl bedingt durch das sehr warme Wasser war das Vorkommen von Großfischen nicht so üppig wie ich es für eine so unberührte Gegend erwartet hätte. Ich, denke die bessere Reisezeit wird im Frühjahr oder Spätherbst sein, wenn sich dass Wasser noch nicht so erwärmt hat, oder schon wieder kühler ist. Dann sind hier auch, so Eric Mason, Tigerhai und Hammerhai zu sehen.

Die Tauchplätze sind absolut unberührt und die Korallengärten vollkommen intakt - Tischkorallen mit Durchmessern von 2 Meter und mehr waren an der Tagesordnung! Der einzige, der hier Schäden am Riff anrichtet ist der Papageienfisch.
Lange Riffe, hufeisenförmige Riffe, kleine Inseln, Dropp Off´s und sandige Flächen - alles wird hier geboten und dies exklusiv für unsere kleine Tauchgruppe.

Der Service an Bord ist einmalig, ja geradezu dekadent: die Crew zieht einem sogar die Flossen auf dem Tauchdeck an! Einzig ist anzumerken, dass es keine Tauchboxen für die ABC-Ausrüstung etc. gibt, dafür werden Karabinerhacken vergeben, mit denen man die Sachen am Jacket befestigen kann.

11.10.2004 - 13.10.2004

Saudi Arabien Reisebericht
Wegen unseres Rückflugs um 2.00 Uhr früh morgens gab es am vorletzten Tag für uns leider kein Tauchen mehr. Wir fuhren nach einer Mittagspause auf See zurück nach Al Lith und von dort, wiederum nach einem Check durch das Militär, nach Jeddah. Dort begutachteten wir zunächst das Office der Dream Divers (Restaurants, Boote, Geschäfte) und fuhren dann in die Altstadt um die größte Parfümerie, die älteste Parfümerie und die zahllosen Märkte zu besichtigen.

Vielfältige Arten von Datteln und exotische Gewürze gab es zu erwerben und natürlich Gold in allen Formen. Wir hatten extra einen Security-Guide mit dabei, der allen Einheimischen erklärte, dass wir eine Erlaubnis zum filmen und fotografieren haben, was offenbar nicht selbstverständlich ist. Lediglich während des Gebets um 18.00 Uhr mussten wir kurz die Geschäfte verlassen und zogen uns in ein Cafe zurück.

Gegen 21.00 Uhr fuhren wir zum Flughafen und warteten auf unseren Abflug, am nächsten Morgen hatte uns das Schmuddelwetter in Frankfurt wieder.
Obwohl wir nur sehr wenig Kontakt zu Saudis hatten, so bekommt man, nicht zuletzt durch die Aufklärungsarbeit von Eric, der als Algerier schon seit Jahrzehnten in Saudi Arabien lebt, einen ganz anderen Eindruck von diesem Land und seinen Menschen. Während man auf den Straßen Ägyptens ständig von aufdringlichen Menschen belagert wird, die oftmals nichts anderes wollen, als einen "übers Ohr zu hauen", so wird man dort nicht belästigt und auch die "Preispolitik" ist eine gänzlich andere.

Zur Tauchsicherheit sei noch folgendes angemerkt, dass es in Jeddah eine Druckkammer gibt. Als Gast mit auf unserem Boot war ein deutscher Krankenpfleger, der in Riad, der Hauptstadt von Saudi Arabien arbeitet. Er versicherte uns, dass der medizinische Standard des Landes absolut dem westlichen entspricht und noch dazu für alle umsonst sei!

Ich kann nur allen empfehlen sich diese unberührte Unterwasserlandschaft anzusehen, solange der Tourismus dort noch nicht überhand nimmt! So hat es wohl auf der anderen Seite des Roten Meeres ausgesehen, dachten wir - vor langer Zeit.

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