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Das große Fressen - Sardine Run 2011

Autor: Kirsten Clahr - Juli 2011 - Fotos: Beo Brockhausen


Es gibt Leute, die behaupten, der Sardine Run findet gar nicht mehr statt. Andere meinen, dass sich die Sardinen mittlerweile ins Rote Meer nach Saudi Arabien abgesetzt haben…
Nun, ich kann nur sagen: der einzigartige Fressmarathon ereignet sich weiterhin an der Küste Südafrikas. Ich habe soeben dieses großartige Spektakel hautnah erleben dürfen – eine Erfahrung, die man niemals vergisst!!

Ich befinde mich in Port St. John´s, an der Wild Coast in Südafrika. Hier in der alten Transkei findet man noch das ursprüngliche, unberührte Afrika. Wir sind im Cremorne Estate am Umzimvubu River untergebracht. Die einfachen Holzhäuser liegen in einer wunderschönen Gartenanlage, dramatische Felswände mit dichtem Wald bilden eine fantastische landschaftliche Kulisse.

Die Aufregung am ersten Morgen ist groß. Frühstück um 06:50h bei einer Temperatur von nur 04°C!!! Dann schlüpfen wir in die Tauchanzüge, rüsten uns mit Mützen, Handschuhen und Windjacken aus, packen die Kameras in wasserdichte Beutel und starten mit dem Schlauchboot über den Fluss zur Mündung. Die Brandung ist äußerst beeindruckend. Hohe Wellen bauen sich wie eine Wand auf. Das erste Boot kommt zurück: nachdem es eine Stunde lang versucht hat, die Wellen zu durchbrechen, hat es nun aufgegeben. Unser Skipper beobachtet gelassen das Geschehen und gibt dann plötzlich Gas. Hurra, er findet eine Lücke nach der anderen und schafft uns einen Weg hinaus auf´s offene Meer. Die Begeisterung unserer Gruppe ist groß. Skipper Keith wird mit Applaus belohnt.

Unser Ziel ist es, einen Schwarm Sardinen zu finden. Die Fischschwärme formieren sich an der Küste häufig in Gruppen (den baitballs) und locken zahlreiche Räuber an. Wir werden angewiesen, den Ozean nach Sturmvögeln und Delfinen abzusuchen. Und es dauert auch nicht lang, bis wir die erste Vogelaktivität entdecken. Die Cape Gannets stürzen sich ins Meer, Delfine sind ebenfalls da. Die Kombination beider Tiere ist ein Zeichen, dass Sardinen im Wasser sein müssen. Wir springen schnell ins Meer und versuchen, irgendetwas zu entdecken. Einige Delfine umkreisen mich und schwimmen in unglaublicher Geschwindigkeit davon. Ok, das war nichts. Die sind einfach zu schnell, also, zurück zum Boot und weiter geht’s. So vergehen einige Stunden.

Dann sehen wir, dass ein Buckelwal bläst. Nichts wie hin. Es ist nicht nur einer, gleich 4 der Riesen winken uns mit ihren Flossen zu. Ein Bursche springt nur wenige Meter entfernt aus dem Wasser. Sein massiver Körper hinterlässt eine riesige Wasserfontäne beim Aufprall. Wow!
Die nächsten Tage verlaufen ähnlich. Buckelwale auf ihrer Migration nach Mosambik begegnen uns fast täglich, Delfine und Cape Gannets sind der Beweis, dass Aktivitäten unter Wasser vorhanden sind. Doch sie konzentrieren sich noch nicht zu einem perfekten Baitball.

Wir sind häufig schnorchelnd im Wasser, Haie umkreisen uns, Delfine werfen einen kurzen Blick auf uns und verschwinden. Wir können sogar einen Bryde´s Whale ausmachen, auch er ist auf der Suche nach großen Fischmengen. Als wir einen kleinen Schwarm aus Sardinen entdecken, benutzen wir die Tauchausrüstung und beobachten, wie die Sardinen um ihr Leben schwimmen. Doch sie sind die Verlierer bei dieser Fressorgie. Der Schwarm wird immer kleiner….

Und dann kommt unser großer Tag: wir beobachten wie üblich die Aktivitäten. Plötzlich der Ruf unseres Skippers: Seht Ihr das dort hinten? Ich sage Euch, Leute: dies ist ein wirklicher Baitball! Seine Aufregung überträgt sich auf alle. Flossen, Maske, Schnorchel, Gewichte und die Kamera geschnappt und dann gleite ich vorsichtig ins Wasser. Ich höre noch den Ruf: Achtung, es werden Haie anwesend sein. Also, auf keinen Fall mit den Flossen schlagen und so die Haie anlocken…. Was sich hier im offenen Meer herumtreibt, sind nämlich große Haie: Düstere Haie und Bronzehaie sind dann auch sofort zu sehen, sicher sind es an die 30 Stück, die ich zählen kann, was sich weiter in der Tiefe abspielt, kann ich nicht erkennen.

Der Sardinenschwarm bewegt sich auf mich zu. Die Geräuschkulisse ist heftig: aus der Höhe schießen die Sturmvögel wie Raketen ins Wasser. Ihr Gekreische und der Knall beim Eintauchen dringen an mein Ohr. Die Cape Gannets erreichen eine Geschwindigkeit von 40 – 120 km/h beim Eintauchen und schaffen es, bis auf 20 m abzutauchen, um die Sardinen zu erwischen. Hinzu kommt das Geknattere und Fiepen der Delfine…
Ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll.
Wie ein Ballet bewegt sich die Kugel aus Sardinen in verschiedene Richtungen, doch der Baitball wird immer kleiner. Nach einer Stunde sind nur noch vereinzelt Sardinen zu sehen.

Wir klettern zurück ins Boot und können gar nicht fassen, was wir gerade erlebt haben.
Aber damit noch nicht genug: ein Buckelwal macht einen ganz entspannten Eindruck und ruht sich an der Wasseroberfläche aus. Vorsichtig nähern wir uns ihm und gleiten langsam ins Wasser. Gemächlich taucht er ab und ich sehe, wie das gigantische Tier in der Tiefe verschwindet.
Ich kann mein Glück kaum fassen. Welch ein Tag.

Die Abende verbringen alle in der rustikalen Bar, vor dem offenen Kamin, und tauschen die Erlebnisse des Tages aus. Doch die Abende sind meist sehr kurz. Nachdem man 7 Stunden im Schlauchboot auf dem Meer verbracht hat, leert sich die Bar meist bereits um 20 Uhr. Alle sind müde – und schließlich klingelt um 06:15h auch schon wieder der Wecker und ruft zu neuen Abenteuern!

Neugierig geworden? Dann fragen Sie jetzt nach den Terminen für das nächste Jahr!!!

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